4. ARC-Dressurfestival und Deutsche Meisterschaften Para-Equestrian für gehandicapte Dressurreiter auf dem Linslerhof

Dr. Angelika TrabertMeisterlich geht es vom 7. bis 10. Juni auf dem Linslerhof in Überherrn zu. Denn im Rahmen seines vierten Dressurfestivals richtet der ARC, der Akademische Reitclub der Universität des Saarlandes, dort die Deutschen Meisterschaften Para-Equestrian für Dressurreiter mit Handicap aus. Da diese Veranstaltung die letzte Qualifikation für die Paralympics in London ist, hat sie einen besonders hohen Stellenwert und zieht nicht nur nationale, sondern auch internationale Teilnehmer an. Die Meisterschaften sind schon zum zweiten Mal in Überherrn zu Gast und finden erneut unter der Ägide des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten (DKThR) und seines Vorsitzenden Dr. Jan Holger Holtschmit statt. 1970 gegründet ist das DKThR ein gemeinnütziger Verein mit rund 3000 Mitgliedern, der das Therapeutische Reiten fördert. Darunter versteht man den Einsatz des Reitens zur Linderung und Heilung psychosozialer Probleme und Störungen sowie bei der Behandlung von körperlichen Behinderungen. Im Vordergrund steht dabei die Heilung und Förderung der geistigen, sozialen und körperlichen Entwicklung. Neben dem medizinischen, pädagogischen und psychologischen Nutzen der sogenannten Hippotherapie gibt es aber auch noch eine sportliche Komponente, die im Rahmen des ARC-Dressurfestivals zum Tragen kommt. Denn auch Menschen mit Handicap können das Reiten, Fahren und sogar Voltigieren erlernen. Der Pferdesport gehört zu den wenigen Sportarten, die Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam ausüben können. Während im Breitensport die sinnvolle Freizeitgestaltung mit dem Pferd im Vordergrund steht, nehmen behinderte Reiter im Leistungssport an Regelturnieren, bei denen sie sich mit nicht-behinderten Sportlern messen, wie auch an Behindertenturnieren teil. Für einen fairen Wettkampf wird eine Einteilung in die Wettkampfklassen "Grades" vorgenommen, die sich nach der Schwere der Behinderung richtet. Der Begriff „Para-Equestrian“ umfasst dabei das Dressurreiten und der Fahrsport für Menschen mit Handicap. 2006 ist das „Para-Equestrian“ im Weltreiterverband FEI (Fédération Equestre Internationale) als achte Disziplin zu Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Voltigieren, Distanzreiten und Reining hinzugekommen. Das DKThR betreut und organisiert den Reitsport für gehandicapte Menschen. Es unterstützt sie bei Ausbildung und Training, bei Wettkampforganisation und Wettkampffinanzierung. Da Dr. Holtschmit beim DKThR wie auch beim ARC den Vorsitz führt, laufen die Fäden für das Dressurfestival und die Para-Equestrian Meisterschaft auf dem Linslerhof bei ihm zusammen. Das viertägige Freilandevent startet am 7. Juni mit einem „Regionaltag“. Neben einer L*-Dressur für Amateure, die als Qualifikation für den ARC Ü 30-Cup deklariert ist, sind eine L**- und eine M*-Dressur ausgeschrieben. Vom 8. bis 10. Juni geht es dann beim Dressurfestival und den Meisterschaften rund. So stehen für die Dressurreiter mit körperlicher Behinderung, die je nach Schwere ihres Handicaps in die Grades Ia/ Ib, II, III und IV eingeteilt sind, jeweils eine Einlaufprüfung und zwei Wertungen auf dem Programm. Die Reiter ohne Handicap treten in einer M**-Dressur, der S*-Dressur „Prix St. Georg –Liselotte-Kanehl-Gedächtnispreis“, der S**-Dressur „Intermediaire I-Kür“, der S***-Dressur „Grand Prix de Dressage“ und der S***-Dressur „Grand Prix Special“ an. Dass so viele Grand Prix-Prüfungen bei einem einzigen Turnier angeboten werden, ist im Saarland wie auch über dessen Grenzen hinaus eine Seltenheit und macht das ARC-Dressurfestival damit zu etwas ganz Besonderem. Für die Nachwuchspferde, die sich zudem in einer L- und einer M-Dressurpferdeprüfung für das Bundeschampionat des Deutschen Dressurpferdes qualifizieren können, bietet der ARC eine weitere S*-Dressur an. Somit wird den Zuschauern in insgesamt 24 Prüfungen vier Tage lang Dressursport auf höchstem Niveau geboten. hch

Saarländische Buschreiter erfolgreich in Pfalz


Egal ob auf Hofgut Petersau oder auf der Hasslocher Pfalzmühle – die saarländischen Buschreiter zeigten ihren pfälzischen Konkurrenten gekonnt, aus welch hervorragendem Holz sie geschnitzt sind. So wurde Isabel Theobald beim Vielseitigkeitsturnier (Austragung der Landesjugendschärpe) auf Hofgut Petersau, das am 1. Mai stattfand, souverän Dritte in der kombinierten Prüfung der Klasse A. Einen guten zehnten Platz erritt sich dort Leonie Ames in der kombinierten Prüfung der Klasse E. Auch in Hassloch waren die Saarländer stark, allen voran Birgit Hohlweg. Beim Vielseitigkeitsturnier auf der Pfalzmühle, in dessen Rahmen vom 4. bis 6. Mai die pfälzischen Landesmeisterschaften ausgetragen wurden, holte sie sich auf ihrem Hannes den Sieg in der A-Vielseitigkeit und wurde in derselben
Prüfung mit Marcellino noch Dritte. Des Weiteren durfte sich das Saarland hier mit Angela Keith und Ira John noch über die Plätze acht und zehn freuen. hch        

Neuwahlen

Saarbrücken. Mehrere Neuwahlen für verschiedene Positionen im Vorstand standen am Montag, 7. Mai, auf der Tagesordnung der Jahreshauptversammlung, die der Pferdesportverband Saar in der Hermann-Neuberger-Sportschule abgehalten hat. Insgesamt 74 Vereine mit 301 Stimmen und vier Pferdebetriebe mit acht Stimmen waren der Einladung von Karl-Heinz Groß, dem Präsidenten des Verbandes, gefolgt. Zur neuen Landeskommissionsvorsitzenden wählte die Versammlung hier Elke Hoffmann. Schatzmeister bleibt weiterhin Pierre Welsch. Neuer Justitiar ist Gerfried Braune, neuer Sportwart wurde Armin Bentrop. Marion Schneider, die als Kassenprüferin wiedergewählt worden ist, wird in Zukunft von Uwe Vielmann unterstützt. Tagesordnungspunkte waren unter anderem auch die Vorstellung des Jugendteams und die Ehrung von Heinz Montag mit der goldenen Verbandsehrennadel für sein langjähriges Engagement im Pferdesport. hch    

PM-Team für Frankreich 2012

Ende Juli ist es wieder soweit: Denn vom 28. bis 29. Juli finden im französischen Lamotte-Beuvron, das rund 150 Kilometer vor Paris gelegen ist, die „Clubmeisterschaften 2012“ statt. Austragungsort ist der „Parc Equestre Fédéral“, ein riesengroßerpm team 4 Reitpark, in dem auch die französische FN und ihre Verbände beheimatet sind. Natürlich wollen alle bei diesem Mega-Event dabei sein – pm teamauch Deutschland, das dort im vergangenen Jahr erstmals am Start war. Eigentlich könnte es so einfach sein: man nehme ein Team mit vier ambitionierten und erfolgreichen Nachwuchsspringreitern, packe einen erfahrenen Trainer dazu und schon hat man die perfekte Mannschaft für die Clubmeisterschaften parat. Doch so leicht ist es nicht, unter den vielen Interessenten die passende Aufstellung zu finden. Deshalb hat sich die FN für das Auswahlverfahren ein besonderes Konzept ausgedacht: ein offizielles Casting für das „PM-Team für Frankreich 2012“. Alle interessierten Mannschaften konnten sich bewerben, sofern ihre vier Teammitglieder zwischen 14 und 25 Jahre alt sind, das Reitabzeichen der Klasse III haben und routiniert in Springen bis Klasse A sind. Auch ein Trainer – ausgestattet mit der DOSB-Trainerlizenz – musste zum Bewerbungspaket dazugehören. Ein weiteres Muss war neben den reiterlichen Voraussetzungen ein aussagekräftiges Anschreiben, in dem mit stichhaltigen Argumenten dargelegt werden sollte, warum das Team für die Wahl geeignet ist. Da das saarländische Team, das sich selbst den Namen „Amis de la Sarre“ gegeben hat, alle Bedingungen erfüllte, durften die Mannschaftsmitglieder am 12. Mai zum Casting in die Westfälische Reit- und Fahrschule kommen. So reiste das auspm team 2 Katrin Kiefer, Carolyn Rupp, Jule Maria Feld und Lars Beyer bestehende Team samt ihrem Ausbilder Manfred Reitmeier, dem saarländischen Landestrainer Springen, und einem stolzen Tross aus Eltern, Helfern, Freunden und Fans nach Westfalen. Vier Teams waren vor Ort, neben den Saarländern waren noch drei Mannschaften aus Lüchow-Dannenberg, Niederkrüchten und Warendorf selbst dort. Zur Jury gehörten Ruth Klimke, Monika Schnepper, Eva Deimel und Dirk Meier. Nach Begrüßung, Vorstellungsrunde und Besichtigung der Fachschule stand die Einteilung der Pferde an. Dann erhielten die Teams zunächst bei Schnepper und Deimel Springunterricht (wobei sie zur späteren Analyse gefilmt wurden). Anschließend mussten sie vor den kritischen Augen von Klimke und Meier einen Standardparcours der Klasse A** absolvieren – Knackpunkt war hier, dass es dazwischen noch einen Pferdewechsel gab. Die Jury verkündete nach entsprechender Beratung das „PM-Team für Frankreich 2012“. Auch wenn es für die Saarländer hier nicht ganz zum Sieg gereicht hat, können sie pm team 3auf ihren zweiten Platz sehr stolz sein. Denn alle haben ihr Bestes gegeben und eine hervorragende Leistung gezeigt. Das tolle Ergebnis wurde am selben Abend auch noch beim gemeinsamen Essen, zu dem die PM`s eingeladen hatten, ausgiebig gefeiert. Vor der Heimreise besuchten die Teams am nächsten Tag noch mit Klimke das westfälische Pferdemuseum, besichtigten die Stadt Münster oder schauten beim „Preis der Besten“ am DOKR Warendorf zu. hch    

Ab 1. Januar 2013 gültig

FN-Beirat Sport verabschiedet neue LPO und WBO

Weimar/Warendorf (fn-press). Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Weimar hat der Beirat Sport die Neufassungen der FN-Regelwerke LPO (Leistungs-Prüfungs-Ordnung) und WBO (Wettbewerbs-Ordnung) verabschiedet. Beide treten am 1. Januar 2013 in Kraft.

Der Verabschiedung voraus ging ein mehrjähriger Beratungs- und Diskussionsprozess in zahlreichen sach- und fachspezifischen Arbeitsgruppen und Gesprächskreisen. „Die Frage lautete stets: Was gilt noch, was muss verändert oder angepasst werden?", erklärt Friedrich Otto-Erley, Leiter der FN-Abteilung Turniersport das Procedere. „Dabei geht es nicht darum, das ganze System auf den Kopf zu stellen, wohl aber darum, Fehlentwicklungen aufzuspüren und durch entsprechende Kurskorrekturen einzudämmen."

Ganz neu: „offene" und „geschlossene" Prüfungen

Die gravierendste Änderung in der LPO betrifft die Ausschreibung von „offenen" und „geschlossenen" Prüfungen. Letztere sind den weniger routinierten Reitern vorbehalten und sollen 20 Prozent einer „normalen" Turnierveranstaltung ausmachen. Wer im vergangenen Jahr mit drei oder mehr Pferden in Dressur oder Springen platziert war, der Leistungsklasse eins (LK 1) angehört oder an Prüfungen der Klasse S*** und höher teilgenommen hat, ist nicht teilnahmeberechtigt. Alle anderen können sich durch ein entsprechendes Kreuzchen auf dem Antrag ihrer Jahresturnierlizenz für diesen „geschützten Bereich" entscheiden. „Damit wollen wir dem massiven Wunsch der Reiter nach mehr Chancengleichheit entgegenkommen", erklärt Otto-Erley und  beruft sich dabei insbesondere auf eine große Online-Umfrage der FN im vergangenen Jahr, an der sich fast 15.000 Turnierteilnehmer beteiligten. „Der Sport wird stärker denn je von den ,Vielreitern' geprägt, von Reitern also, die mit mehreren Pferden starten", sagte in Weimar auch FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau mit Blick auf die aktuelle Turniersportstatistik. „Mit der Änderung ist jetzt ein Anfang gemacht und ein gutes Regulativ geschaffen. In ein, zwei Jahren wird es sich zeigen, ob wir bei den Kriterien - zum Beispiel ein Pferd mehr oder eins weniger - nachbessern müssen."

Die im Lande häufig gebrauchten Begriffe „Amateure" und „Profis" wird man in der LPO allerdings vergebens suchen. Als zu schwierig hat es sich in den zahlreichen Diskussionen erwiesen, beide Gruppen eindeutig voneinander zu trennen. „Unter einem Amateur versteht jeder etwas anderes. Das kann einerseits der unroutinierte, ‚amateurhafte' Reiter sein, der sporadisch einmal sein Können auf dem Turnier überprüfen will, aber auch jemand, der neben seinem ‚normalen' Job jedes Wochenende vier Pferde auf dem Turnier vorstellt. Beide sehen sich als ‚Amateure', sind reiterlich aber wohl kaum vergleichbar. Und wie soll man jemanden einstufen, der vor 15 Jahren mal eine Ausbildung zum Pferdewirt gemacht hat, aber seither einem ganz anderen Beruf nachgeht - Amateur oder Profi?", begründet Otto-Erley die Einteilung in „offene" und „geschlossene" Prüfungen. „Im Wesentlichen geht es unseren Reitern um homogenere Starterfelder und einen gerechten Leistungsvergleich. Dazu kommt, dass die Kriterien einfach mess- und nachvollziehbar sein müssen."

Richter-Rotation und verbesserte Planbarkeit

Eine weitere Neuregelung, die auf der Auswertung der Umfrage basiert, ist das Rotationsverfahren für Richter. Demnach darf ein Richter maximal fünf Jahre in Folge auf einem Turnier eingesetzt werden. Jedes Jahr muss ein Richter einer Veranstaltung ausgetauscht werden. „Damit sollen auch die Einsatzmöglichkeiten für Jungrichter verbessert werden", erklärt Friedrich Otto-Erley. Das System wurde im Verbandsbereich Westfalen bereits erfolgreich erprobt. Die LPO sieht ferner vor, dass in der vorläufigen Zeiteinteilung der Zeitpunkt der Prüfung konkreter definiert wird. „Mit dieser Änderung kommen wir dem vielfach geäußerten Wunsch nach einer besseren Planbarkeit des Turniereinsatzes und damit der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Hobby entgegen", so Otto-Erley.

Weitere Detailänderungen der LPO betreffen insbesondere die einzelnen Disziplinen, eine Erweiterung der Helmpflicht auf Dressurreiter und Fahrer bis 18 Jahre und Teilnehmer an Dressurprüfungen der Klasse E und A.


WBO - den Kinderschuhen entwachsen

Ebenfalls vom Verbandsrat verabschiedet wurde die zweite Fassung der erstmals 2008 erschienenen WBO mit Grundregeln, Tipps und Hinweisen für die Ausrichtung breitensportlich orientierter Pferdesportveranstaltungen. Die Veränderungen sind vor allem struktureller Natur. Geblieben ist die Devise „Erlaubt ist, was gefällt", sofern die auf sieben Seiten zusammengefassten Grundregeln eingehalten werden. „Innerhalb dieser weit gesteckten ‚Leitplanken' ist alles möglich", sagt Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Breitensport, Vereine und Betriebe. Wie die letzten Jahre zeigten, ging die Freiheit und Flexibilität der ersten WBO manchem Veranstalter allerdings zu weit. Dieser Erfahrung trägt die WBO 2013 Rechnung. So bietet beispielsweise der überarbeitete Teil II mit über hundert Wettbewerben verschiedene Ausschreibungsmuster mit identischen Aufbau und mit sämtlichen Details: Anforderungen, Bewertung. Ausrüstung, zusätzliche Bestimmungen sowie ggf. Parcoursskizze oder Dressuraufgabe. „Das lästige Blättern in Teil IV entfällt. Auf einer oder zwei Seiten findet man alles, was dazu gehört. Das macht es für viele leichter", sagt Ungruhe. Freuen dürfen sich auch die Freunde des Fahrsports, denen die WBO 2013 noch mehr Ausschreibungsvorschläge bietet als bisher. Nicht mehr zu finden sind Verweise auf den „großen Bruder" LPO. „LPO und WBO sind zwar Geschwister und kommen aus einer Familie, sie sind aber auch eigenständige Persönlichkeiten. Unser Ziel ist es vor allem, Jugendlichen aber auch älteren Neu- und Wiedereinsteigern den ersten Turnierstart zu erleichtern, neue Zielgruppen zu gewinnen und neue interessante Wettbewerbsangebote zu erfinden", sagt Ungruhe.

Beide neuen Regelwerke sind voraussichtlich ab September im Buchhandel, in Reitsportfachgeschäften und direkt beim FNverlag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erhältlich.                     

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