–Dass er als Springreiter auf Anhieb so viel Erfolg in der Vielseitigkeitsreiterei haben würde, hätte Kurt-Werner Thielen vom RFV Losheim nicht mal im Traum gedacht. Daher war die Freude des Losheimer Vereinsvorsitzenden über den Meister-Titel, der ihm beim großen Vielseitigkeitsturnier des RV Saargau-Merzig am 15. und 16. September in Merzig-Hilbringen verliehen wurde, besonders groß. Natürlich trug auch die Tatsache dazu bei, dass er zudem mit seiner Mannschaft den Bronzetitel in der diesjährigen Mannschaftswertung der saarländischen Vielseitigkeitsmeisterschaften errang. „Dabei war der Start in der Vielseitigkeit gar nicht meine Idee“, gibt Thielen zu. Da seine Vereinsmitglieder Elke Hoffmann und Christina Gornik noch einen dritten Reiter für ihre Mannschaft benötigt hätten, sei er als Ersatzmann ins Team eingestiegen. „Mehr noch als der Saarlandmeistertitel zählt dabei für mich der gestärkte Zusammenhalt untereinander“, so Thielen. Erklärend fügt er hinzu: „Wir sind nicht wie sonst als Einzelkämpfer, sondern als Team angetreten und das hat uns als Mitglieder desselben Vereins enger zusammengeschweißt.“ Dabei war der Buscheinsatz nicht nur für ihn selbst, sondern auch für den RFV Losheim eine Premiere in dieser Disziplin. Thielen: „Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte haben wir eine Vielseitigkeitsmannschaft aufgestellt. Dass wir auf Anhieb so gut abgeschnitten haben, macht mich gleichermaßen als Vereinsvorsitzender und Teammitglied stolz.“ Wie eng neben allem Konkurrenzdenken auch die Solidarität und die Freundschaft von Reitern verschiedener Vereine ist, zeigt sich am Beispiel von Thielens Kameradschaftshilfe gegenüber Stefan Odenbreit, dem ersten Vorsitzenden des RV Saargau-Merzig. Nachdem dessen Turnierpferd kurzfristig ausgefallen war, stellten Thielen und Mitbesitzerin Alexa Meiers ihm für die Meisterschaft ein Ersatzpferd zur Verfügung. Nur so war es dem RV Saargau-Merzig möglich, in der Mannschaftswertung gegen Losheim anzutreten und Mannschafts-Saarlandmeister 2007 zu werden. Thielen: „Der RFV Losheim hatte schon immer ein sehr kameradschaftliches Verhältnis zum RV Saargau-Merzig und deshalb war dieses Unterstützung selbstverständlich.“ Auch sein vierjähriges Nachwuchspferd Air Force One hatte er Odenbreit zum wiederholten Mal für den Turniereinsatz angeboten. „Stefan ist ein sehr qualifizierter Reiter, deshalb bin ich froh, dass er ihn wieder in der Vielseitigkeit vorgestellt hat.“ Dass sein Reiterkamerad mit dem vierjährigen Fuchs nach dem Sieg beim diesjährigen Geländepferdechampionat in Zweibrücken nun auch noch in der Geländepferdeprüfung der Klasse A siegte, freute ihn als Besitzer natürlich sehr. Obwohl Thielen seit dem Beginn seiner Reitkarriere im Jahre 1980 nach eigener Aussage rund 1000 Siege und Platzierungen erritten hat, musste er sich als reiner Springreiter intensiv auf die Vielseitigkeit vorbereiten. Thielen: „Die Anforderungen der Vielseitigkeit darf man nicht unterschätzen, sonst ist schnell etwas passiert.“ Deshalb habe er mehrere Wochen ein spezielles Training absolviert, vor allem im Hinblick auf die Geländestrecke. „Nach den ganzen Springprüfungen bis Klasse S, in denen ich in den letzten Jahren gestartet bin, brauchte ich mir um den Parcours eigentlich keine Sorgen zu machen,“ schmunzelt der Losheimer, „aber zunächst musste ich ja die Dressur und vor allem das Gelände überstehen.“ Sein Fazit: „Im Gelände zu springen, ist ganz anders als im Parcours. Das kommt nicht nur durch die festen Naturhindernisse, sondern auch durch das besondere Flair des Buschreitens.“ Dabei habe ihm das Gelände viel abverlangt, vor allem konditionell. „Im Ziel habe ich wie ein gestrandeter Fisch nach Luft geschnappt“, gesteht Thielen lachend. Mit der Leistung seines schicken Schimmels Latino Lover, dem achtjährigen Zweibrücker Deckhengst, war er absolut zufrieden. Thielen: „Latino Lover ist einfach ein hundertprozentiges Verlasspferd und war deshalb gerade für die Geländestrecke der sicherste Partner.“ Für den neuen Senioren-Meister war der „Ausflug“ in die Buschreiter-Szene ein ganz besonderes Erlebnis: „Vielseitigkeitsturniere sind viel abwechslungsreicher als normale Dressur- oder Springturniere, dafür sind die einzelnen Prüfungsteile aber auch besonders anspruchsvoll.“ Doch trotz seiner gelungenen Premiere in der Vielseitigkeit soll es kein Revival geben: „Ich bin und bleibe Springreiter. Das Buschreiten hat Spaß gemacht, aber es wird eine einmalige Aktion bleiben, an die ich immer gern zurückdenken werde.“ Christina Schneider, hch